Die weiße Biotechnologie oder auch industrielle Biotechnologie kommt heute bei zahlreichen Produkten zum Einsatz, sei es im Brot, in Bier, in Waschmitteln oder der Hautcreme. Durch die weiße Biotechnologie werden natürliche Mikroorganismen eingesetzt, was zu einer ressourcenschonenderen Produktion führen kann. Dabei ist die weiße Biotechnologie eigentlich schon Hunderte von Jahren alt, denn zur Herstellung von Alkohol oder Brot wurden schon immer lebende Organismen eingesetzt. Freilich wusste ursprünglich niemand um deren Bedeutung, doch mittlerweile kann man viele Ansätze der weißen Biotechnologie nutzen, um Produkte einfacher und besser herzustellen.

Die grundlegenden Ansätze auf dem Weg zur weißen Biotechnologie

Um die Wirkungsweise und die Verfahren der weißen Biotechnologie wirklich verstehen zu können, ist es notwendig, sich die Geschichte einmal näher anzusehen. So wurde der erste Grundstein für die heutige weiße Biotechnologie bereits im Jahre 1856 von Louis Pasteur gelegt. Er entdeckte damals Mikroorganismen in verunreinigten Weinfässern. Diese benannte er nach ihrer Form, die einem Stäbchen glich. Er verwendete den griechischen Namen für Stäbchen: Bacterion. Außerdem stellte Louis Pasteur fest, wie die Gärung an sich abläuft und dass hierfür Milchsäurebakterien notwendig sind, die Zucker benutzen, um daraus Milchsäure herzustellen. Die Hefepilze dagegen sind dafür zuständig, den Zucker zu Alkohol zu vergären. Zwar waren zahlreiche Experimente nötig, um diese Thesen bestätigen zu können, doch gelang es Pasteur. Und damit war der erste Grundstein für das Verständnis der Fermentation gelegt worden.

Auch Robert Koch, der 1876 das Milzbrand-Bakterium und sechs Jahre später den Erreger für Tuberkulose entdeckte, konnte eine weitere Grundlage für die Biotechnologie bilden. Er nämlich entdeckte, dass Mikroorganismen für die Entstehung verschiedener Krankheiten verantwortlich seien. Bis dato war angenommen worden, dass Gifte, die die Luft verunreinigten, die Krankheiten begünstigten, genauer die so genannten Miasmen. Die Chemiker dagegen entdeckten im 18. Jahrhundert, dass manche Substanzen schneller abgebaut werden konnten, wenn andere hinzu gegeben wurden. Und diese zugegebenen Substanzen verbrauchten sich dann auch nicht. Recht zügig konnten dann auch einzelne Gewebe aus Pflanzen und Tieren extrahiert werden, die sodann als Fermente bezeichnet wurde. Diese Fermente stellten die ersten natürlichen Biokatalysatoren dar, wie man im 19. Jahrhundert herausfand. Seither wurden sie auch als Enzyme bezeichnet.

Die ersten biotechnologischen Anwendungen in der Industrie

Auch die Industrie entdeckte recht schnell die Vorteile, die ihr aus der Biotechnologie erwachsen konnten. So nutzte man in der Ledergerbung biotechnologische Anwendungen schon Anfang des 20. Jahrhunderts. Das erste Enzymprodukt, das die Industrie verwendete, trug den Namen OROPON®. Dieses Enzym sollte unter anderem Proteine abbauen und dadurch die Gerbung von Leder erleichtern. Bis zu dessen Entstehung wurden Beizen verwendet, die aus Taubenmist und Hundekot bestanden. Mit dem neu entwickelten Enzym konnte man nicht nur eine umweltfreundlichere, sondern auch sauberere Ledergerbung vollziehen.

Auch die Genomforschung ist entscheidend für die weiße Biotechnologie. Sie trieb die Erkenntnisse immer weiter voran und spätestens seit den 1980er und 1990er Jahren ist klar, welchen Wert die natürlichen Ressourcen haben und dass diese für nachfolgende Generationen erhalten werden müssen. Es wurde seither verstärkt nach Alternativen gesucht, insbesondere im Bereich der endlichen Ressourcen, wie Erdöl.

Ein weiterer Vorteil der biotechnologischen Fertigungsprozesse besteht in der Ökologie. Denn die Verfahren sind in aller Regel deutlich besser für die Umwelt geeignet.